Scheibe Germania

Kurzer geschichtlicher Abriss

Über tausende von Jahren spielten Pfeil und Bogen eine entscheidende Rolle in der Geschichte der Menschheit. Auf Gemälden und Reliefs vergangener Zeiten findet man in großer Zahl die Darstellung von Pfeil und Bogen. Der Bogen war die erste mechanische Waffe, bereits in der Antike war er Kriegs- und Jagdgerät. Mongolen, Araber, Syrier benutzten ihn als Hauptwaffe ihrer Reiterheere. Bogenschießen hat aber heute - im Sinne des modernen Sportschießens - mit der früheren Zeit, mit Indianer oder Robin Hood Träumen aus Kindertagen, nicht mehr viel gemeinsam.

Bogen als Sportgerät

Der Bogen wird in Deutschland als Sportgerät geführt. Mittels Initiative und Engagement durch den aus Nürnberg stammenden Konrad Aichemüller (2005) ist ein solider Aufbau des Bogensports in Deutschland gelungen. Er war von 1955-1970 als erster Bogensportreferent im Deutschen Schützenbund aktiv.

Bereits 1583 verzeichnete man in England, dem Ursprungsland dieses Sports, den ersten sportlichen Wettkampf, 1908 (London) und 1920 (Antwerpen) zählte die Sportart zum olympischen Programm. Mit Gründung des Dachverbandes „Fédération Internationale de Tir á l ́Arc“, kurz FITA, wurde 1931 der Grundstein gelegt, dass Bogenschießen wieder zu den Olympischen Spielen zugelassen wurde. Bogenschießen mit dem Recurvebogen/Visier wird seit 1972 wieder im offiziellen olympischen Wettkampfprogramm geführt. 2011 wurde der Dachverband umbenannt in „World Archery Association“ (kurz WA).

Disziplinen

Bogenschießen ist in verschiedene Wettbewerbe (Disziplinen) und so genannte FITA Runden (neu: WA-Runden) eingeteilt. Es werden in der Sportordnung drei Wettbewerbe unterschieden: Recurvebogen, Compoundbogen und Blankbogen.

Die WA 70m Runde im Freien (2x36 Pfeile) entspricht dem üblichen Meisterschaftsprogramm und wird auch bei den Olympischen Spielen geschossen. Neue Namensgebung ab 2014: „WA 720-Runde“.

Die WA Runde im Freien (jeweils 36 Pfeile auf 90/70/50/30m bei den Männern und 70/60/50/30m bei den Frauen) ist der klassische ursprüngliche Wettkampfmodus und wurde bis 2013 noch bei Weltmeisterschaften als Qualifikationsrunde vor der Finalrunde absolviert. Namensgebung ab 2014: „WA 1440-Runde“.

Beim WA-Hallenwettbewerb werden 2x30 Pfeile auf 18m geschossen.

Finalrunden werden im KO-Satzsystem bestritten, wobei es im einzelnen Match nur um Sieg oder Niederlage nach Gewinnpunkten geht. Aus der Vorrunde/Qualifikation kann nichts mitgenommen werden, jeder startet bei Null und es gibt keine „Lucky Loser Runde“. Wer seine Finalpaarung verliert, für den ist der Wettkampf vorbei.

Abhängig von der Entfernung – Schüler und Jugendliche haben kürzere Entfernungen im Freien - und den Jahrgangsklassen variiert besonders die Zielscheibengröße (Auflage) in allen Runden. In der Regel schießen vier Schützen (A/B – C/D Rhythmus) je eine Passe auf eine Scheibe. Eine Passe beinhaltet 3 (Halle) oder 6 Pfeile (Freiluft), die in zwei bzw. vier Minuten geschossen werden müssen. Anschließend holen die Schützen die Pfeile, notieren und kontrollieren gegenseitig die Ringzahlen.

Die WA Feldbogenrunde beinhaltet eine „Jagdrunde“, die Entfernungen zwischen 10m-55m sind zu schätzen sowie eine „Feldrunde“, bei der auf bekannte Entfernungen zwischen 10 und 60m geschossen wird. Beim Feldbogenschießen sind die Scheiben in ausgewiesenen Wald- und Feldgelände mit kompletter Bogenausrüstung anzulaufen. Häufig sind die Scheiben in unebenem Gelände gestellt und die Einflüsse der Natur (Licht, Winkel, Bergauf, Bergab) machen dieses Wettkampfprogramm zu einer interessanten Herausforderung.

Der Ligawettkampf in der Halle wird in Form von Matches ausgetragen, wobei an jedem Wettkampftag jede Mannschaft im direkten Vergleich gegen alle anderen Mannschaften der jeweiligen Liga antreten muss. Eine Mannschaft kann aus mehreren Schützen/innen bestehen, von denen allerdings immer nur drei im Einsatz sind. Nach jedem Match kann der Trainer beliebig auswechseln. Ein Match bedeutet vier Passen à zwei Pfeile je Schütze auf 18 Meter. Für jede Passe, d. h. für die sechs Pfeile, hat das Team gerade mal zwei Minuten Zeit - dabei roulieren quasi die drei Schützen im „fliegenden Wechsel“.

Gute Nerven und Konzentrationsfähigkeit sind erforderlich, schließlich steht man bei den Matches immer direkt neben dem jeweiligen Gegner, und anders als bei den meisten Wettkämpfen beim Bogenschießen, wo es eher ruhig zugeht, werden hier die Mannschaften von ihren Fans und Teamkollegen ziemlich lautstark angefeuert. Nach den vier Passen werden die Ringe der drei Mannschaftsschützen addiert. Jedes gewonnene Match (= höhere Ringzahl) ergibt zwei Punkte, jedes verlorene null Punkte. Bei Ringgleichheit der beiden gegnerischen Teams erhält jede Mannschaft einen Punkt. Aus diesen Punktverhältnissen ergibt sich dann die Tabe lle, die am Ende über Auf- oder Abstieg entscheidet. Mit der 1. Bundesliga wird der deutsche Mannschaftsmeister der Hallensaison ermittelt.

Wettbewerbe mit dem Compoundbogen, Blankbogen, Hallenwettkämpfe, das Feldbogen-schießen und 3-D Schießen sind nichtolympische Disziplinen.